Was ist ein “VILYA”?

28. Oktober 2015 von Angelika Freitag

Dieser Begriff bezeichnet auf englisch eine Alpakazuchtrichtung, die auf Spanisch “Alpaca con lana similar a vicuña” oder “Alpaca avicuñada” genannt wird:

Vicunja-Like Yarn Alpacas”.

Am ehesten kann man sie so beschreiben: sie sind das ursprüngliche Zuchtziel der Indios vor 5000 Jahren gewesen: Alpakas, die die Faser von Vicunjas tragen (extrem fein mit 11 bis 15 Micron, dennoch reißfest und mit einer Curvature von 90 bis 110 °/mm), nur davon mehr als die wenigen 100 Gramm, die ein Vicunja im Jahr produziert.

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Die intensive Zuchtarbeit der Inkas können wir heute noch an “Dokumenten” ablesen, die sie in Form von Knotenschrift hinterlassen haben. Nach unseren heutigen Kenntnissen dürfte das Zuchtziel vor Eintreffen der Europäer im 16. Jahrhundert erreicht worden sein. In den folgenden Jahrhunderten gind aber diese Zucht verloren und Alpakas waren vor 100 Jahren noch vom Aussterben bedroht. Die Alpakas haben bis heute immer noch nicht den Qualitätsstandard des 16. Jahrhunderts erreicht.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden sie wieder intensiv gezüchtet, oft auch nur vermehrt. Das Zuchtziel war in vielen Farmen aber nicht mehr das, ein Vicunja mit viel mehr Faser zu züchten. Man legte jetzt mehr Wert auf viel Faser, die Feinheit war zunächst weniger wichtig, 20 Micron wurden als ausreichend angesehen (“20 Pfund-20Micron”-Maxime). Die Curvature fand gar keine Beachtung.

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Letzteres liegt vor allem daran, dass es mit dem menschlichen Auge kaum möglich ist, einen Wert von 70°/mm von einem über 80 oder sogar von über 90 °/mm zu unterscheiden. Lediglich beim Verspinnen sieht man den erheblichen Unterschied in der Qualität des Fadens.

Das macht heute neben der Feinheit den entscheidenden Grund dafür aus, dass für ein Kilo Vicunja-Faser 1500 bis 2000 US-Dollar gezahlt werden, für eine Alpakafaser der Qualität Royal oder Baby nur 100 bzw. 200 US-Dollar pro Kilo. Versponnen kosten 50 Gramm Garn aus Vicunja-Faser zwischen 500 und 750 US-Dollar!

Natürlich hat es auch in Peru zunehmend Züchter gegeben, die sich dem ursprünglichen Zuchtziel zugewandt haben. In der Umgebung von Arequipa haben sie sich zu einer Kooperative, einer Alianz (daher der Name “Alianza”) zusammengeschlossen. Die hier gezüchteten Alpakas mussten sich natürlich, um konkurrenzfähig am Markt zu bleiben, den z.B. in der Gegend um Macusani gezüchteten Alpakas mit den Kriterien der “20-20″-Maxime annähern, aber es wurden dennoch immer wieder Vicunjas eingekreuzt. Dadurch konnte die Faser verfeinert und die Kräuselung erhöht werden. Dies geht allerdings immer einher mit einem Verlust an Bewollung an Beinen und Kopf und meist zeigen die Nachkommen einer solchen Einkreuzung noch über Generationen den Vicunja-typischen Brustlatz an Grannenhaaren (wie auf diesem Bild einer unserer (schon alten) Paco-Vicunja-Stuten zu sehen ist).

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Weil diese Optik aber von den ersten US-amerikanischen Importeuren und Züchtern als “unimproved”, also noch nicht durch Zucht verbesssertes, schlechtes Alpaka bezeichnet und damit stigmatisiert wurde, haben solche Alpakas damals wie heute keine Chanchen, auf Showveranstaltungen hoch bewertet zu werden. Denn diese von den US-Amerikanern definierten Bewertungskriterien aus den 1970er und 1980er Jahren wurden von allen anderen Alpakazuchtvereinen übernommen und sind weiter die einzigen anerkannten.

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In den letzten 10 bis 15 Jahren hat sich die Entwicklung in den Ländern außerhalb Südamerikas zunehmend gewandelt. Weil die faserverarbeitende Industrie Probleme hat, mit einer Faser mit grober Curvature hochwertige Garne herzustellen, geht die Alpakazucht in den USA und in Australien inzwischen erheblich zurück, die Preise fallen trotz Stützmaßnahmen wie Importbedingungen usw.

Vor allem in Australien, aber zunehmend auch in Europa, wird das Alpaka nun als Fleischlieferant propagiert und beworben.

Das ist nicht nur in unseren Augen eine Fehlentwicklung, die wir in Deutschland unbedingt vermeiden sollten! Aus diesem Grund haben wir schon vor Jahren beschlossen, uns auf die Zucht von Alpakas zu spezialisieren, die die hochwertigste Faser produzieren, die für die Herstellung der allerbesten Garne geeignet ist.

Wir züchten also Alpakas mit feiner Faser (Baby und Royal) und versuchen, eine Curvature zu erzielen, die möglichst nah am Vicunja liegt. Einige unserer Alpaka haben bereits die 90 °/mm-Marke leicht überschritten, über 40 lieben bereits im Bereich über 70°/mm und trotz des sehr hohen Anteils an alten Tieren ist bei über der Hälfte unserer Tiere der Curvature-Wert immer noch über 60°/mm.

In unseren Augen ist dieser Weg deutlich nachhaltiger und langfristig erfolgreicher als die Zucht von “Showtieren”, die nach den oben beschriebenen Kriterien der ersten Importeure selektiert werden.

Abgelegt in Die Alpakafaser - das Vlies der Götter

5 Reaktionen

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