Über Alpakas

Zunächst ein kurzer Überblick (wer ausführliche Informationen und viele Bilder genießen möchte, dem sei das Buch “Warum Alpakas?” empfohlen).

Wer zum ersten Mal Alpakas begegnet, hält sie meist für eine andere Art von Schafen (“Giraffenschafe”).

Aber mit Schafen sind sie nicht einmal verwandt.

Alpakas gehören zur Familie der Kamele, die sich vor vielen Jahrtausenden in die Altweltkamele Dromedar und Trampeltier und die Neuweltkamele Guanaco und Vicunja aufteilten.

Sie sind auch keine “richtigen” Wiederkäuer, auch wenn sie wie Rinder ihre Nahrung wiederkauen: da sie nur 3 statt der bei Wiederkäuern üblichen 4 Mägen besitzen, gehören sie in eine eigene Gruppe.

Vor über 5000 Jahren begannen dann die Einwohner Südamerikas, neue Formen der Neuweltkameliden zu züchten: das größere Guanaco wurde weitergezüchtet zum größeren, überwiegend als Lasttier genutzten Lama. Das Vicunja begann man wegen seiner wunderbaren Faser zu züchten und erreichte, dass das daraus entstandene Alpaka nun das ca. 20-fache der Faser mit sich trägt.

Damit ist das Alpaka also ein Zuchttier, kein Wildtier und kann ohne eine jährliche Schur nicht gesund bleiben.

Durch intensive Zucht ist es den Indios gelungen, Alpakas zu züchten, die eine fast so feine und stark gekräuselte Faser besaßen wie die Vicunjas, dies aber in wesentlich größerer Menge und über 22 verschiedenen Farbtönen. Woher wir das heute wissen? In nahezu 2000 Jahre alten Gräbern fanden sich Beigaben aus Alpakafaser, die uns heute zeigen, wie weit die Zucht einmal gediehen war.

Nach der Einwanderung der Europäer wurden die Indios und ihre Tiere von diesen und ihren mitgebrachten Nutztieren Rind, Schaf und Pferd in die hohen Anden verdrängt. Hier kam den Neuweltkameliden zugute, dass ihre roten Blutkörperchen eine Besonderheit aufweisen, die es ihnen ermöglicht, in sehr großen Höhen ganz problemlos zu leben.

Dennoch waren sie als Konkurrenten um die Weiden nicht erwünscht und wurden bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts so stark zurückgedrängt, dass sie, genau wie ihre Verwandten, Lama, Vicunja und Guanaco, auszusterben drohten.

Es ist den Indios zu verdanken, hier vor allem denen, die als Rinderbesitzer zu einigem Besitz gekommen waren, dass sie sich der letzten Alpaka annahmen und begannen, sie wieder systematisch zu züchten. Einer soll hier stellvertretend genannt werden: Don Julio Barreda, der die Accoyo-Alpakafarm in Peru gründete und zu einer der bekanntesten Farmen weltweit machte (aus seinen Linien stammen unsere Deckhengste “Timbertop Masterblaster” und “Timbertop Royalty”).

Dieser Weg wurde besonders anschaulich geschildert in dem lesenswerten Buch “Alpacas – Synthesis of a Miracle” von Mike Safley.

In vielen Jahrzehnten Zucht ist es gelungen, den Tieren der Inkas in der Qualität wieder nahezukommen, erreicht wurde sie aber bisher nicht.

Besonders mit der Feinheit der Alpakas hat sich eine besondere Gruppe von Züchtern beschäftigt. 1976 gründeten viele kleine Alpakazüchter um Ayaviri herum die Rural Alianza EPS. Sie haben es über die Jahre geschafft, den früheren VILYA-Alpakas (Vicunja-Like-Yarn-Alpacas) nahe zu kommen: Alpakas mit der Faser der Vicunjas (hohe Feinheit, dabei robust; hohe Curvature von 90 bis 110 °/mm), aber mit der Menge und Dichte der Alpakas – und dies alles bis ins hohe Alter, nicht nur als Baby. Es wird heute gesagt, dass der Durchschnittsmicronwert aller Alianza-Alpakas (derzeit ca. 50.000) bei 20 Micron liegen soll.

Das sind die Fasern, mit denen die Herstellung luxuriöser Produkte möglich ist.

Einer der berühmtesten Hengste von dieser Farm war “NWA Peruvian Hemingway”, den Mike Safley schon früh in die USA bekommen hat. Zwei seiner Söhne wurden die Stempelhengste der australischen Alpakazucht. Viele Nachkommen von “NWA Peruvian Hemingway” haben nicht nur die sehr feine Faser weitergegeben, sondern vor allem die Eigenschaft, diese Faserqualtiät auch im hohen Alter noch zu besitzen. Das bedeutet: sie haben ein Babyvlies ihr ganzes Leben lang. Es ist verständlich, dass wir auch nach vielen Jahren dankbar sind, dass wir einen Sohn dieses großen Vererbers, nämlich “DP Peruvian Balche” bei uns haben durften und so viele Nachkommen von ihm besitzen. Denn viele von ihnen zeigen diese Eigenschaften.

Nachdem der Wert der Alpakafaser (eine hochwertige Faser wie die von Kaschmir oder Alpaka wird Faser genannt, die weniger wertvolle Wolle der Schafe nennt man Wolle) in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts zunehmend gewürdigt wurde, wurde ein Ausfuhrverbot für Neuweltkameliden in den südamerikanischen Staaten erlassen, das erst in den 80er Jahren gelockert und in den 90er Jahren aufgehoben wurde (Ausnahme Peru: dort wurde es kurz nach 2000 wieder eingeführt, um zu stoppen, dass gerade die besten Tiere immer wieder ins Ausland verkauft wurden).

Inzwischen ist die Zahl der Alpakas in Südamerika von knapp 200 000 zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf einige Millionen angestiegen. Australien hat mit inzwischen mehr als 150 000 Alpakas nach den USA den zweitgrößten Bestand. In Europa sind sie am stärksten in Großbritannien vertreten mit über 20 000. Wir in Deutschland können davon ausgehen, dass wir gerade die 10 000 überschritten haben.

90% der Alpakas gehören der Untergruppe der Huacayas an:

MLA MB Magnum, einer unserer Söhne des Jolimont-Warrior-Sohnes Timbertop Masterblaster aus Australien

MLA QAI Hannibal im Sommer 2011, bester weißer Zuchthengst im AAeV-Herdbuch mit 537 Punkten (enspräche ca. 107 Punkten im ARI- oder AZVD-System)

Bei diesen Tieren steht die Faser extrem dicht und vom Körper ab. Dadurch entsteht der “Teddybärlook” sehr guter Alpakas. Dabei hat die Faser eine sehr starke wellenförmige Kräuselung, genannt “Crimp”.

Die Alpakafaser gilt als die haltbarste und damit langlebigste Tierfaser der Welt, was sie einem besonderen Eiweißaufbau verdankt.

Dazu ist sie besonders thermoregulierend und sehr fein und seidig-glatt, was sie zur angenehmsten tierischen Faser macht.

Ein Beispiel für Huacaya-Faser, natürlich von einem unserer Alpakas

Nur ein sehr kleiner Tei der Alpakas gehört zur Gruppe der Suris. Bei diesen ist die Schuppenstruktur der Faser noch sehr viel glatter. Dadurch fühlt sie sich an wie Seide und zeigt einen extremen Glanz. Außerdem wächst sie meist in langgezogenen Locken und wird wesentlich länger als die eines Huacayas.

MLA Saladin im Mai 2011, Zuchthengst mit Herdbucheintrag und hier nahezu perfekter Punktzahl von 494 Punkten (AAeV; entspricht 99 Punkten AZVD)

 

 

 

 

 

Weil sie wirklich etwas ganz Besonderes sind, sind gute Suris sehr gesucht und entsprechend wertvoll. Ihre Faser wird meist zu luxuriösen Webstoffen verarbeitet. Alle daraus hergestellten Produkte zeigen weiter den wunderbaren Glanz und fühlen sich seidig an: ein wunderbares, leider sehr seltenes Garn!

Was ist der Nutzen von Alpakas?

A: sie sind ideal geeignet für die tiergestützte Therapie:

durch ihre geringe Größe wirken sie nicht bedrohlich,

durch ihre großen Augen und die flauschige Faser strahlen sie ein ausgeprägtes Kinchenschema aus und lösen praktisch keine Ängste aus.

durch ihr ruhiges Verhalten geben sie den Menschen Zeit, sich auf sie einzustellen, ihre Neugierde ist hier sehr hilfreich.

Ein weiterer Grund für ihre positive Ausstrahlung auf uns Menschen:

Alpakas scheinen bei uns Menschen Alpha-Wellen im Gehirn zu fördern, wie das bei Pferden schon gefunden wurde:

 

Alpha-Wellen sind eine bestimmte Art von Gehirnströmen im aufgezeichneten EEG.

Man findet sie bei entspannter Wachheit, sie fördern den Lernprozess und können eine Vorstufe zur Meditation genannt werden.

 

Linda Tellington-Jones hat viele Studien an Pferden, aber auch Hunden gemacht über das Auslösen von EEG-Veränderungen durch entspannende Verfahren wie TTouch, in denen gezeigt werden konnte, dass durch solche Maßnahmen vermehrt entspannende Gehirnwellen auftreten.

Als Nebenergebnis ist die Beobachtung gewonnen worden, dass Menschen, die sehr entspannt sind und dabei viele Alpha-Wellen im Gehirn zeigen, auf andere Personen, aber auch Tiere, so entspannend wirken, dass diese ebenfalls Alpha-Wellen im EEG zeigen.

Wie eine solche „Übertragung“ stattfinden könnte, ist noch unklar.

Es ist sicher ein großer Teil des Erfolgs von Linda Tellington-Jones, dass sie auch ohne ihren TTouch durch reines „neben dem Tier Stehen“ schon einen entspannenden Effekt ausübt und so Alpha-Wellen im Gehirn des Pferdes neben ihr entstehen.

Ich habe selbst auf der Equitana solche von ihr ausgelöste Effekte sehen können.

Ich habe außerdem erlebt, dass auch einige Tiere, die besonders gelassen sind,  einen solchen entspannenden Effekt auf Menschen in ihrer Nähe  haben können.

Ganz besonders häufig findet man diesen Effekt auf Menschen bei Alpakas (sofern sie selbst gelassen und entspannt sind).

Leider hat noch niemand EEG-Messungen bei Alpakas machen können, aber aus der Beobachtung der Wirkungen auf Menschen in ihrer Nähe ist anzunehmen, dass ähnliche Mechanismen ablaufen wie sie bei den Pferden gefunden wurden.

 

B: sie produzieren die nach Vicunja und Guanaco hochwertigste Faser (s.o.)

C: als Fleischlieferant (eines durchaus schmackhaften und wegen seines extrem geringen Fettgehalts geschätzen Fleischs) sind sie außer in Südamerika nicht interessant: die hohen Kosten würden das Fleisch extrem teuer machen.

Und seien wir ehrlich: wer von uns Züchtern könnte sie essen?

 

 

Was ist zu beachten bei der Haltung von Alpakas?

Übersicht über wichtige Grundvoraussetzungen für die Haltung von Alpakas

 1. :   Alpakas sind Herdentiere: es müssen immer mindestens 2 zusammen gehalten werden. Allerdings ist es nicht sinnvoll, einen Hengst und eine Stute zu zweit zusammen zu halten: sobald die Stute tragend ist, wird sie den Hengst immer wieder aus ihrer Nähe vertreiben („abspucken“), so dass dieser wieder alleine ist und Stress hat.

2.:  Alpakas sind Pflanzenfresser mit einem mehrteiligen (einem dreiteiligen) Magen, die zwar auch wiederkauen, aber nicht zu den Wiederkäuern zählen (weil die 4 Mägen haben). Als solche benötigen sie ganztägigen Zugang zu Gras und Heu. Weil sie aus den Herkunftsländern extrem nährstoffarmes, aber rauhfaserreiches Gras gewohnt sind,  brauchen sie bei uns auch im Sommer zusätzlich zum Gras auf der Weide die  Möglichkeit, Heu fressen zu können und so an einen höheren Rauhfaseranteil in der Nahrung zu kommen.

3.:  Alpakas sind in Deutschland als landwirtschaftliche Nutztiere anerkannt. Damit unterliegen sie den amtstierärztlichen Kontrollen und Gesetzen. So muss der Besitzer ein Bestandsbuch führen, auch die Gabe von Medikamenten wie Entwurmungen, Impfungen usw. notieren und aufbewahren. Eigentlich ist es auch Vorschrift (außer man ist Landwirt), dass ein Alpakabesitzer einen Sachkundenachweis erbringt und ein Amtstierarzt die notwendige Qualifikation zur Haltung dieser Tiere überprüft. Das ist aber derzeit nicht umsetzbar, weil es keine anerkannten Kurse zur Erlangung der Sachkunde gibt. Meist wissen die Amtstierärzte selbst auch nicht sehr viel zu den Alpakas, so dass derzeit die Lage für Neubesitzer günstig ist. Ein einigermaßen fundiertes Basiswissen sollte aber sicherlich vorhanden sein, was m.E. bei dem Wert der Tiere ja schon selbstverständlich sein sollte!

4.:  Automatisch ist mit der Einordnung als landwirtschaftliche Nutztiere verbunden, dass Alpakas eindeutig zu kennzeichnen sind: entweder mit Ohrmarken oder mit Mikrochips. Am sichersten ist aber die zusätzliche DNA-Registrierung, wie sie das vereinsunabhängige LAREU-Register bietet.

5.:  Die offiziellen Empfehlungen zum Platzbedarf von Alpakas sind derzeit: 1000 qm pro 2 Tiere, 10-12 Alpakas auf einen Hektar Weide. Bei diesen Empfehlungen wird vorausgesetzt, dass von diesem Land neben der Haltung auch das Winterfutter = Heu gewonnen wird. Wird das Heu aber zugekauft, kann man die Angaben ändern und doppelt so viele Tiere pro Hektar halten. Das bestätigen auch meine eigenen Erfahrungen. Dennoch ist viel Platz von unschätzbarem Wert, weil die Tiere weniger Stress untereinander haben, einen größeren Abstand zueinander einhalten können. Es ist außerdem möglich, eine bessere Weidehygiene zu betreiben, indem man die Alpakas immer nur Teile der Weide nutzen lässt, andere Teile „ruhen“ lässt und so z.B. den Wurmbefall reduzieren kann. Nach landwirtschaftlichen Empfehlungen kann 1-1,2 Großvieheinheiten (GVE) pro Hektar gehalten werden. Alpakas gelten wegen ihrer extrem guten Nahrungsausnutzung wie Ziegen als 0,08 GVE, wobei es wieder ca. 12 Alpakas pro Hektar wären.

6.:  Alpakas sind sehr robuste Tiere, die nicht nur keinen Stall brauchen, sondern möglichst auch nicht in Ställen gehalten werden sollen. Unterstände sind aber erforderlich: zum Einen, damit das notwendige Heu trocken bleibt, zum Anderen, damit sie sich bei starkem Sonnenschein in den Schatten zurückziehen können: die Wohlfühltemperatur eines Alpakas beträgt 10-15°C! Bei auch nur stärkerer Bewollung, wie sie im Herbst meist schon vorliegt, beginnen Alpakas zu schwitzen. Wegen der längeren Faser kann die Feuchtigkeit nicht von der Haut verdunsten und die Faser wird dadurch angegriffen, im Extremfall brüchig und muffig. Dagegen macht Regen den Tieren nichts aus, er benetzt immer nur die Spitzen, nicht die Haut.

7.:  Neben Heu und im Sommer auch Gras brauchen Alpakas selbstverständlich den freien Zugang zu sauberem Wasser. Bitte dafür sorgen, dass Vögel und andere Tiere die Tränke nicht beschmutzen können, denn viele Tiere können unangenehme Krankheiten übertragen.

8.:  Am Thema „Kraftfuttergabe“  scheiden sich regelmäßig die Geister: es gibt nicht wenige Züchter, die die Meinung vertreten, dass Alpakas kein Kraftfutter benötigen, sie würden in den Ursprungsländern ja ebenfalls keins bekommen. Das ist natürlich richtig, berücksichtigt m.E. aber nicht, dass die Sterblichkeit in den Ursprungsländern für unsere Verhältnisse erschreckend hoch ist. So liegt z. B. die Fohlensterblichkeit in Südamerika bei 70%, das heißt, dass nur 1/3 aller geborenen Fohlen das erste Jahr überlebt. Mit einer solchen Rate wäre kein europäischer Züchter zufrieden. Wir haben in den vergangenen 13 Jahren gesehen, dass nicht nur die Sterblichkeit, sondern auch die Fruchtbarkeit und allgemeine Gesundheit der Tiere ganz erheblich verbessert wird, wenn zusätzlich ein auf Alpakas zugeschnittenes Kraftfutter gegeben wird. Leider vergessen viele Futtermittelhersteller, dass Alpakas nicht nur sich selbst und ihre Fohlen mit der Fütterung unterhalten, sondern auch noch Faser produzieren. Das Futter muss auch hierfür die richtige Zusammensetzung haben (mehr Mineralien und Proteine für den Faseraufbau). Ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel ist für Alpakas von sehr großer Bedeutung, weil sie durch die dichte Bewollung wenig UV-Strahlung bekommen, unsere Nahrung hier außerdem wenig Vitamin D enthält. Optimal ist es, gelegentlich Blutanalysen bei seinen Alpakas durchführen zu lassen, um zu wissen, ob und wann Vitamine notwendig sind.

Neben dem erhöhten Gehalt an Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen ist es sinnvoll, einem Alpakafutter Pufferstoffe zuzugeben, denn alle wiederkauenden Tiere sind anfällig für eine Magenübersäuerung, wenn sie Kraftfutter bekommen.

9.:  Zur Haltung von Alpakas sind einige Ausrüstungsgegenstände erforderlich: zum einen ein spezielles Alpakahalfter, das man über das Internet problemlos beziehen kann. Optimal sind Halfter, die entweder individuell angepasst werden können oder in unterschiedlichen Größen bestellt werden können. Dazu gehört natürlich eine Führleine. Zum Schneiden der Krallen reicht eine gute, handelsübliche Rosenschere. Für eventuelle Verletzungen sollten Desinfektionsmittel vorhanden sein.  Ebenso gehört ein Fieberthermometer in den Stall.

Die notwendigen Entwurmungsmedikamente bekommt man von seinem Tierarzt. Zum Reinigen der Klostellen braucht man Besen,  Schaufel und Schubkarre. Außerdem eine Heuraufe, die für alle Tiere gleichzeitig problemlos genutzt werden kann. Letzteres gilt auch für die Futtertröge: um stressfrei fressen zu können, sollte jedes Alpaka einen Abstand von einem Meter zum nächsten einhalten können. Bei uns haben sich Futterrinnen aus Dachrinnen bewährt, für jedes Tier rechnet man einen Meter Futterrinne, die man in witterungsgeschützten Bereichen anbringt.

10.:  Werden Fohlen erwartet, sollten weitere Vorbereitungen getroffen werden. Für uns hat es sich bewährt, rechtzeitig vorher eine „Fohlenkiste“ zu bestücken mit:

Desinfektionsmittel für den Nabel, Fieberthermometer, wärmendes Schutzmäntelchen für das Fohlen, mehrere heiß gewaschene Handtücher (sauber eingepackt!), ausreichend sauberes Papier zum Reinigen, eine Ernährungssonde, mit der notfalls die Atemwege des Fohlens freigemacht werden können, ein Babyklistier, das den Abgang des Darmpechs sicherstellt. Wir haben außerdem immer ein hochwertiges Kolostrumkonzentrat für Rinder und Schafe vorrätig: so bekommt das Fohlen zusätzlich zu den Abwehrstoffen von der Mutter noch eine weitere Gabe zur Stärkung der Immunabwehr.

Für die Mutter sollte ein Hilfsmittel für den Milcheinschuss wie Calcophos oder Ketosan vorrätig sein. Außerdem bekommen alle Mütter bei uns nach der Geburt Notfalltropfen. Bei einer Schwergeburt hat es sich bewährt, der Mutter ein Schmerzmittel zu geben: sie nimmt das Fohlen eher an und kümmert sich besser darum (mit dem Tierarzt rechtzeitig vorher besprechen).

Jedem Alpakazüchter, der Fohlen erwartet, können wir nur dringend raten, sich rechtzeitig vor der Geburt umfassend zu informieren und mit seinem Tierarzt die Stute regelmäßig zu kontrollieren, denn Alpakas bekommen maximal 1 Fohlen pro Jahr, rein statistisch sogar nur 0,7! Da sollte man sich besondere Mühe geben!

Das ist natürlich nur eine sehr kurze Zusammenfassung! Mehr Infos und Bilder finden Sie im Buch “Warum Alpakas?”

Einige weitere kann ich unbedingt empfehlen:

In deutschsprachig ist das m.E. beste Buch das neue Buch “Neuweltkameliden” von Prof. Dr.Dr. Gauly aus dem Enke-Verlag, auch wenn naturgemäß ein Tierarzt sehr ausführlich über die Krankheiten berichtet, die hoffentlich alle nie auftreten. Aber falls man doch ein Problem hat, ist es ein gutes Nachschlagewerk.

Wesentlich umfassender und gründlicher sind 2 andere Bücher, die auch international den Top-Level der Alpakabücher darstellen, allerdings beide in Englisch geschrieben sind:

Zum einen das Standardwerk für jeden, der sich ernsthaft mit Alpakazucht beschäftigen will: “Medicine and Surgery of Camelids” von Murray E. Fowler u.a. aus dem Willey-Blackwell-Verlag. Es ist ein Nachschlagewerk, in dem praktisch alles steht, was man über die Haltung und Versorgung eines Alpakas braucht. Allerdings ist es ein wieder überwiegend tiermedizinisch ausgerichtetes Buch.

Das zweite Buch hat auch größere Bereiche, die nicht aus der Tiermedizin stammen: “The Complete Alpaca Book” von Eric Hofman, Verlag Bonny Doon Press.

Wenn man aber nachvollziehen möchte, warum so viele Leute Alpakas lieben und auch etwas mehr über Zucht und Faser erfahren möchte, empfehle ich unbedingt, sich wenigstens 2 der Bücher von Michael Safley zu besorgen (leider auch wieder nur auf englisch erhältlich): “Alpaca, Synthesis of a Miracle” und “Ideal Alpacas – from Myth to Reality” (letzteres ist derzeit nur gebraucht zu bekommen).

Viel Spaß beim Lesen (und nebenbei gleich Englisch Lernen)!

Sollte einem Leser das Englische zu mühselig sein, gibt es jetzt eine deutschsprachige Alternative: “Warum Alpakas?” habe ich mein Buch genannt, in dem ich nachvollziehbar machen möchte, was der Grund für die große Faszination ist, die diese Tiere auf uns ausüben – und warum wir uns vor einigen Jahren entschlossen haben, einen der größten Alpakazuchtbetriebe Deutschlands aufzubauen.

Noch einige Bemerkungen zu einer Frage, die ebenfalls häufig gestellt wird: ist es wirtschaftlich, Alpakas zu halten?

Zunächst eine Erinnerung dazu: Alpakas wurden schon in den 1990er Jahren als landwirtschaftliche Nutztiere anerkannt. Das bedeutet, dass der Gesetzgeber sie als nützlich anerkennt.

Das bedeutet natürlich nicht automatisch, dass es auch wirtschaftlich ist, sie zu halten oder anders ausgedrückt: dass man mit ihnen und ihren Erzeugnissen Geld verdienen kann. Allerdings produzieren VILYA-Alpakas eine der hochwertigsten Naturfasern der Welt (nur von Vicunja und Guanako übertroffen) und bringen bei guter Haltung und Pflege alle 1-2 Jahre Nachwuchs. Nach unseren Erfahrungen tragen sie damit nicht nur ihre Unterhaltskosten (Tierarzt, Pacht, Versicherungen usw. neben Futterkosten eingerechnet), sondern bringen auch ein “Plus”.

Es gibt im Internet bereits eine große Anzahl von Beispielrechnungen, die belegen sollen, dass man mit der Haltung von Alpakas Gewinne erzielen kann. Auf unserer Farm fanden und finden immer wieder Veranstaltungen speziell für Landwirte statt, auf denen wir diesen Aspekt ausführlich besprechen, an Beispielen aufzeigen und so darstellen können, dass sich bei richtigem Management die Haltung von Alpakas auch wirtschaftlich rechnet (da wir ja aus der Landwirtschaft kommen und als Landwirte anerkannt = privilegiert sind, können wir gerade in diesem Punkt sehr umfassende Angaben machen). Es existiert außerdem ein Gutachten der Landwirtschaftskammer, das die Wirtschaftlichkeit der Zucht von Fasertieren, also VILYA-Alpakas bestätigt.

Dieses Thema an dieser Stelle ausführen zu wollen, würde aber diesen Rahmen sprengen: Sie können bei Interesse gerne einen Termin vereinbaren oder sich für unsere Seminare anmelden: aabachfarm@googlemail.com oder 0170 913 1490 (abends).